Auf neuen “Schuhen” durch die Türkei bis Göreme

Und wo Bitte sind die ganzen Touristen hin?


 

Nach 5 Tagen im ruhigen und beschaulichen Ort Idelvo bzw. im MotoCamp heißt es Abschied nehmen von Poly und Ivo. Mich zieht es weiter Richtung Schwarzes Meer bevor ich in die Türkei einreise. Die ersten paar km mit den neunen „Schuhen“ (Reifen) auf der TT sind ungewohnt. Vom vorher doch etwas holprigen Grobstollen Reifen Mitas E 07 rollt es jetzt doch wesentlich komfortabler mit den mehr Asphalt tauglichen runden Mitas E09 Dakar hinten und Heidenau K60 Scout vorne. Mischbereifung, zwar nicht ganz TÜV konform, aber wenn juckt das hier schon. Hauptsache die Dinger halten und bringen mich sicher durch die nächsten 20.000 km. Leider bin ich für den ganz großen Trubel an der Schwarzmeerküste 1 Woche zu früh dran. Hier ist absolut tote Hose. Sogar die Campingplätze haben fast alle noch geschlossen. Der eine der offen hatte, wollte allerdings mehr für die Übernachtung als was ich im MotoCamp für mein Zimmer mit Frühstück bezahlt habe. Also hab ich Ihm den Stinkefinge gezeigt und bin weiter gefahren. Allerdings war die Suche nach einem geeigneten Platz dann doch nicht so einfach. Doch der Zufall wollte es wohl so, dass ich doch noch an der Küste direkt auf einem Campingplatz gelandet bin. Dieser war eigentlich noch geschlossen, aber nicht abgesperrt. Überall herum waren die Leute am Aufbauen und schaffen bis zur Eröffnung im Juni. Irgendwann kam dann zufällig der Besitzer vorbei und meinte ob ich irgendetwas bräuchte, Strom, Wasser, … weil eigentlich ist der Campingplatz noch geschlossen ich kann aber trotzen bleiben, und das auch noch für umsonst. Spitze!

 

Grenzübergänge sind meistens sehr speziell, aber hier zwischen Albanien und der Türkei läuft es problemlos. Da ich erstmal nur eine grobe Richtung anpeile, nämlich den Südwestlichen Zipfel vom Marmarameer um dort mit der Fähre dann nach Canakkale überzusetzen lasse ich mich vom Navi über kleine Straßen dorthin leiten. Eine sehr schöne Gegend, viel grün durch die Landwirtschaft und wenig besiedelt. Der erste Eindruck ist schon einmal sehr positiv. Wenig Verkehr und nachdem ich in der ersten größeren Stadt auch noch Türkische Lira vom Geldautomaten ausgespuckt bekommen habe bin ich fürs erste Glücklich! Am späten Nachmittag, nachdem mich das Navi über einige Schotterpassagen gescheucht hat wird es Zeit für eine Teepause. Also steure ich in einem kleinen Dorf das zufällig meinen Weg kreuzt die „Dorfkneipe“ an. Hier sitzen schon ein paar ältere Herrschaften beisammen und begutachten mein Ankommen sehr neugierig. Einer der älteren Herren ist mit einem selbst gebauten Trike da, da hat Mann doch gleich ein gemeinsames Thema zum Quatschen, trotzt der sprachlichen Barrieren. Meinen Tee bekomme ich auch noch und werde zum Erstaunen auch gleich noch eingeladen, Bezahlen ist nicht. Danke für die Gastfreundschaft, die Türkei wird mir immer sympathischer. Die Fährüberfahrt kostet 10 TYL, umgerechnet 2,50 €. An der Fähre treffe ich noch 2 deutschtürken die mit dem Auto gerade aus der Nähe von Köln hierher gefahren sind. In der Nähe eines Stausees finde ich heute einen schönen ruhigen Platz zum wild Campen. Leider nicht direkt am Wasser, die Plätze die überhaupt zugänglich gewesen sind, haben mir nicht gefallen. Die Versorgung hier in der Türkei ist sehr gut. Das nötigste wie Brot, Kekse, Schokolade, Nudeln gibt’s in jedem kleinen Markt in fast jedem Dorf. Und für Wasser gibt es hier eigens angelegte Brunnen/Wassertränken manche mit Hahn zum Abstellen, manche laufen Tag und Nacht. Sogar an größeren „Schnellstraßen“ gibt es extra Schilder mit Haltebucht an einer Wasserzapfstelle. Dort können Sich die Moslems hier dann auch gleich die Füße waschen vor dem Gebet! Der Ruf des Muezzin kann einen unter Umständen schon einmal aus dem Schlaf reisen, wenn dieser plötzlich morgens um 5 Uhr aus seinen Lautsprechern durch das ganze Dorf ruft. Meine weiter Route führt mich Quer grob Richtung Süd-Osten zu den Seen und Bergen rund um Isparta. Wunderschöne Gegend, tolle Landschaft, kaum Verkehr wie meistens auf den kleineren Nebenstraßen die ich hier fahre, nur das Wetter hält hin und wieder ein heftiges Gewitter am Nachmittag für mich bereit. Dann versuche ich mich irgendwo unterzustellen und abzuwarten. Doch in Dinar waren die dunkel Wolken zu mächtig und es was schon später Nachmittag so dass ich das Grand Akdeniz Hotel heute dem Camping vorgezogen habe. Von Isparta aus ging es südlich an Konya vorbei durch fast Wüstenhaftes Steppengebiet. Doch schon kurz vor Göreme waren wieder Berge zu sehen, teilweise noch mit Schneebedeckten Gipfeln. Hier fand ich wieder einen super schönen Platz zum Campen mit toller Aussicht auf die hohen Berge im Süden. Nur noch ein Katzensprung an nächsten Tag bis Göreme. Noch kurz den Tank füllen und weiter, so dachte ich zumindest. Doch der Tankwart hatte was dagegen! Er fragte woher ich komme, aus Deutschland, ja aber aus welchem Ort? Aus Neu-Ulm! So, kenn ich war seine Antwort. Chef Senhor hat 40 Jahre in Gummersbach gelebt und gearbeitet, Chef Junior einer seiner Söhne war für 6 Jahre in Deutschland und einer seiner anderen Söhne lebte und arbeitet in Neu-Ulm. Jetzt ist er über siebzig und wieder zurück in der alten Heimat. So wurde aus einem Tankstopp eine nette Plauderstunde und eine kalte Dose Cola gab´s für mich auch noch obendrauf. Trotz Ramadan! Zum Thema Ramadan hier könnte man mal eine eigene Geschichte schreiben. Irgendwann bin ich dann doch noch in Göreme angekommen. Auf dem Weg lagen allerdings noch ein paar Touristische Highlights die ich im Vorbeifahren Besucht oder nur kurz ein Foto davon gemacht habe. Das Kloster Keslik ist so ein Highlight über das ich zufällig am vorbeifahren gestolpert bin. Steht bestimmt in vielen Reiseführern für Kappadokien drin, da ich keine Reiseführer mir habe bin ich auf den Zufall oder die Information der Einheimischer angewiesen. Als einziger Tourist durfte ich mich dort umsehen. Wo bitte sind die ganzen Touristen hin? Sogar hier in Göreme, der Touristenhochbug schlecht hin, drehen die Verkäufer der Souvenirläden Däumchen. Nur eine Handvoll Touristen ist hier, ein Ladenbesitzer mit dem ich gesprochen habe schließt zu und geht nach Montenegro, Kotar. Dort brummt das Geschäft mit den Touristen noch, hier geht seit Erdogan im Streit mit Europa ist nix mehr! Gut für die wenigen Touristen die da sind, so kann man wenigsten schöne Fotos ohne die ganzen Menschenmassen darauf machen.  Und die Preise für Ballonfüge sind so billig wie seit langem nicht mehr. Bis vor ein paar Jahren gingen 100 Ballons täglich in die Luft zu Preisen von 150,- … 200,- € je Passagier. Im Moment gibt’s den Ballonflug für schlappe 80,- … 100,- €. Gerade zu ein Schnäppchen, also auf Ihr müden faulen Reisefreudigen Touristen, kommt in die Türkei.

 

Von Göreme aus geht’s für mich weiter Richtung Van See. Bis die Tage, mat et jut.

 

Gruß, Lollo