die ersten 2 Wochen im Iran

Heiß, Windig, erster Sturz und sehr große Gastfreundschaft


 

Der Grenzübergang von der Türkei/Iran ist ziemlich Chaotisch. Nichts ist angeschrieben und es sind mehrere Tore die geöffnet und hinter mir wieder geschlossen werden bis ich endlich im Iran bin. Die Passkontrolle schaffe ich noch alleine aber die Sache mit dem Carnet de Passage und dem Zoll ist zu schwierig. So bekomme ich einen Guide an die Seite gestellt der sich um mich kümmert, die Richtigen Personen und die Reihenfolge der Türen und Stempel kennt. Das ausfüllen und Stempeln des Carnet ist zum Glück für die Iraner reine Formsache.

 

Da es für mich das erste Mal ist, dass ich Carnet brauche schaue ich gespannt zu wo der Zollbeamte was einträgt und die Stempel macht. Kaum auf Iranischem Staatsgebiet, werde ich mich einem freudigen „Welcome to Iran“ begrüßt, Hände werden geschüttelt, das Smartphone wird heraus geholt und es werden Fotos von mir gemacht. „a new star is born“!

 

An der Grenze habe ich dann auch noch die Zeitzone gewechselt und darf meine Uhr gleich um 1 ½ Stunden vorstellen. In der ersten Größeren Stadt versuche ich Geld zu tauschen, was sich als gar nicht so einfach heraus stellt. Da der Iran gewissen Sanktionen unterliegt, ist auch das Bankenwesen davon betroffen und die Geldautomaten sind nicht mit dem Rest der Welt verbunden sondern arbeiten nur im Landesinneren, was für mich bedeutet, dass ich Bargeld am besten auf dem Basar schwarz tauschen muss. Nach mehrmaligem Fragen finde ich den Basar endlich und eine der drei Wechselstuben dort hat auf und so kann ich mit mehreren Millionen Rial endlich mal so richtig schoppen gehen. Was mich anfangs ziemlich verwirrt ist die Tatsache, dass der Iran 2 Währungen hat. Auf den Geldscheinen steht Rial. Aber die meisten Preise und die einheimischen rechnen alles nur in Toman! 10 Rial sind 1 Toman.

 

Offizieller Umrechnungskurs bei Banken 1 € ca. 36.000 Rial. Auf dem Basar schwarz oder in Wechselstuben bekommt man für 1 € zwischen 40.000 Rial und 42.500 Rial.

 

Der Liter Benzin kostet im ganzen Land 1.000 Toman oder 10.000 Rial also ca. 0,25 €!

 

Im Van Backpackes hatte ich noch einen Iran getroffen, der mir noch Tipps zum Campen in Parks geben hat. Also versuche ich mein Glück gleich an den ersten Tagen nach langen Fahrtagen und halte an Picknickplätzen an und Zelte dort. Allerding scheinen das die Iran auch zu mögen, speziell jetzt zur Ramadan Zeit fährt alles aus der Stadt hinaus zu den Picknickplätzen mit Kind und Kegel und zelebriert dort die einzige Mahlzeit während des Ramadan nach Sonnenuntergang. Anfangs werde ich etwas misstrauisch begutachtet,  doch schon kurze Zeit später werde ich zum Essen eingeladen und sitze mit den Herrn zusammen beim Abendessen oder ich bekomme Nüsse, Tee, eine Schale mit Essen direkt an mein Zelt geliefert. Dass nenn ich mal Gastfreundschaft!

 

Auf einer Schotterpiste in den Bergen hat es mich dann das erste Mal so richtig hin gehauen.

 

War wohl zu schnell für diese eine enge Kurve und bin abgeschmiert. Die Acerbis Handprotektoren sind ihrer Aufgabe gerecht geworden und haben nur ein paar Kratzer abbekommen. Nur ist mein Rechter Fuß unter dem Motorrad eingeklemmt gewesen und jetzt habe ich einen verstauchten Knöchel und kann seit ein paar Tagen nur mit Schmerzen laufen. Aber Motorrad fahren geht zum Glück ohne Probleme. Ein Einheimischer Mopedfahrer kam vorbei und ich muss wohl ziemlich mittleidig ausgeschaut haben, so dass er mich mit zu sich nach Hause mitgenommen hat und mich mit einem Mittagessen, Tee und Wasser und einem anschließenden Mittagsschlaf wieder aufgebaut hat. Hier oben in diesem kleinen Bergdorf steht die Hitze förmlich und es ist sau heiß! Nach fast 2 Stunden Mittagsschlaf mache ich mich wieder auf den weiterweg Richtung Kaspisches Meer.

 

Es geht an einem Stausee entlang und je näher ich dem Damm komme umso mehr nimmt der Wind zu. Heftige Windböen peitschen vorbei und zerren an mir und dem Motorrad. Mehrere Male kann ich einen Sturz gerade noch abfangen. Aber direkt an der Staumauer genau vor einer Polizeistation die den Damm bewacht geht dann nichts mehr. Ich versuche noch verzweifelt gegen den Wind anzukämpfen, schlussendlich habe ich aber keine Chance und Kippe samt Bike um. Meine Kartentasche mit der Landkarte vom Iran wird vom Wind weggerissen und fliegt auf nimmer wiedersehn davon. Die Polizisten sind nicht glücklich, dass ich genau vor Ihrem Tor liege, aber ich komme bei diesen Orkanartigen Windböen hier nicht weg. Gefühlt ½ Stunde liege ich da im Straßengraben und halte mit am Motorrad fest. Damit ich oder das Bike nicht mit wegfliegen! Dann kommt endlich Hilfe und wir schaffen es zu dritt das Bike auf die andere Seite der Straße zum Berg hin zu schieben wo der Wind deutlich schwächer ist. Nach einer weiteren ½ Stunde wage ich es weiter zu fahren und schon nach ein paar hundert Metern hinter der nächsten Kurve und ein paar Meter weiter runter ist von einem heftigen Orkan nur noch ein laues Lüftchen zu spüren. Ich bin erstmal total geschafft und suche mir im nächsten Ort ein billiges Hotel. Das habe ich mir heute verdient!

 

Endlich am Kaspischen Meer angekommen genieße ich eine Rast am Strand und schaue den Iranern beim Baden zu. Hier „unten“ ist das Klima deutlich angenehmer. Da ich heute keine große Lust mehr habe weiter zu fahren suche ich schon früh nach einem „Schalfplatz“.

 

Nur Interesse halber frage ich bei einem Hotel nach dem Zimmerpreis, doch hier am Kaspischen Meer ist alles 3 Mal so teuer wie im Rest des Landes. Also entweder Park oder Strand! Doch jeder Fleck hier ist verbaut, Abgesperrt und es reiht sich Ortschaft an Ortschaft.

 

Doch wie der Zufall es so will lande ich doch noch in einem Park! Allerdings einem sehr speziellen wie sich später herausstellen wird. Die Parkanlage mit „Schloßähnlichem“ Haus dient nämlich als Location für Hochzeiten und sonstige Veranstaltungen. Bis zu 700 Leute kommen da bei einer Iranischen Hochzeit zusammen. Es gibt 2 Speisesäle, Männer und Frauen strikt getrennt und einen großen Ballsaal zum gemeinsamen Tanzen für später.

 

Die Familie die das ganze hier betriebt lädt mich zum Abendessen ein und schlafen kann ich auch hier im Wohnhaus im Wohnzimmer auf dem Boden. Danke für die tolle Gastfreundschaft! After a bad day comes a good day!

 

Dann ging´s über die Berge zurück nach Teheran. Außer dem Basar und dem Golestan Palast habe ich nicht viel unternommen. Es war einfach zu heiß in der Stadt. Auf dem Weg zum Basar bin ich dann bei der Deutschen Botschaft vorbeigekommen. Es gab eine lange Schlange wartender Iraner vor dem Tor der Deutschen Botschaft und ich habe mal versucht mit meinem Deutschen Paß zu winken und mit dem Botschafter über die super schlechte Kritik der Botschaft hier auf google maps zu sprechen. Scheint aber niemand beeindruckt zu haben, wurde nicht rein gelassen. Würde mich mal interessieren wie das in einer Notsituation aussieht! Jedenfalls hat die Deutsche Botschaft hier keinen guten Ruf!

 

Über Hamedan und Kermansha bin ich dann weiter zuerst Richtung Westen, nahe der Irakischen Grenze gefahren um dann nach Süden abzubiegen bis ich nach Isfahan komme.

 

Fahren über Land bei mehr als 30° C geht gerade noch, sich aber dann 35 km in eine Stadt hinein zu quälen mit chaotischem Verkehr und immer heißeren Temperaturen war kein Vergnügen. Zum Glück habe ich mein Hostal dank Navi gleich gefunden und kann jetzt 2 .. 3 Tage Ruhe und Erholung in der schönen Stadt Isfahan genießen.

 

 See you next time in Shiraz!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Primus (Sonntag, 25 Juni 2017 12:25)

    Super toller Bericht. Da erlebst du ja richtig was . Weiterhin tolle Erfahrungen und gute Fahrt.

  • #2

    Luana und Maira (Freitag, 30 Juni 2017 15:56)

    liebe Grüße an Onkel Lollo
    Wir warten weiter gespannt auf Post von Dir