Sumatra, die vergessene, wilde Schönheit Indonesiens!


Nach einem ruhigen, entspannten 50 Minuten Flug lande ich in Medan auf Sumatra.

Da ich bereits das 60 Tage Visum im Paß habe und nur mit Handgepäck geflogen bin, bin ich schnell fertig. Am Geldautomaten besorge ich mir erst mal genügend Bargeld und bin sogleich mehrfacher Millionär! Bei einem Wechselkurs von 1 € = 17.000 INR (Indonesische Rupiah) hebe ich 3 Millionen Rupiah ab. Mit Bus und Tuktuk geht’s dann in das Hostel in Medan. Da sich direkt neben dem Hostel eine Moschee befindet gibt es an der Rezeption gratis Ohrstöpsel um morgens um 4:20 Uhr nicht von dem Gebetsruf gestört zu werden. Am nächsten morgen fahre ich mit einem Grab Car (die Indonesische UBER Variante) nach Belawan zum Zoll. Dann geht’s mit dem Zollbeamten und meinem Canet zum Hafenlager wo mein Motorrad bereits steht. Nach Prüfung des Daten und des Gepäcks auf verbotene Gegenstände geht’s wieder zurück ins Zollgebäude.

Nach 15 min. bekomme im mein gestempeltes Carnet zurück. Anschließen noch zum Büro der Schiffsagentur um hier die Hafengebühr und den BOL zu bezahlen, dann darf ich auch schon mit meinen Motorrad losziehen. Mein erstes Ziel hier ist Berstagi, ein Bergdorf mit zwei aktiven Vulkanen, von denen einer bestiegen werden kann. Der Verkehr von Medan aus hinauf bis Berstagi erinnert dann erst mal eher an Indien als Indonesien. Viel und Chaotisch!

Ein heftiger Platzregen zwingt mich dann zum unterstellen, dachte die Regenzeit sei vorbei!

Ein paar Tage verweile ich in Berstagi und hoffe auf schönes Wetter zur Besteigung des Vulkan Sibayak, was mir dann am 3 Tag früh morgen bei halbwegs trockenem Wetter gelingt. Leider ist der Himmel Wolkenverhangen, so dass man den anderen aktiven Vulkan Sinabung von hier oben aus leider nicht sehen kann. Aber auch der Sibayak ist aktiv und nicht zu unterschätzen, aus mehreren Löchern schießt heißer Schwefeldampf heraus, es zischt so laut wie eine Düsentriebwerk und es stinkt nach verfaulten Eiern. Trotzdem war der Weg hierauf schön und lohnenswert. Bevor ich zurück fahre halte ich noch an heißen Quellen und bade allein in den Pools. Zurück zum Guesthouse dann gleich zwei mal Pech, erst verabschiedet sich meine Tachowelle und dann wieder mal heftiger Regenschauer. Bis ich mich an einer Tankstelle unterstellen kann, bin ich schon nass bis auf die Unterhose. Von Berstagi ist es dann nur ein Katzensprung von 120 km bis zum Lake Toba. Ein kleines Boot, die Roller und mein Motorrad wurden Rückwärts über eine kleine schmale Holzplanke auf Deck geschoben und parken so vorne am Schiff links und rechts an der Reling geht’s dann hinüber auf die Insel Samosir. Der Tobasee ist ca. 2 mal so groß wie der Bodensee und der größte Kratersee der Erde. Er entstand nach der Eruption des Supervulkans Toba vor ca. 74.000 Jahren! Ein wunderschönes kleines Paradies ist das hier, so richtig schön um sich zu erholen von den langen Reisestrapazen und das Klima hier auf 900 Metern ist auch sehr angenehm. Im schönen und günstigen Bagus Bay Guesthouse treffe ich auf einige andere Backpacker, es gibt eine Billard Tisch, Volleyball Feld, einen eigenen Zugang zu See zum Baden, leckeres Essen aus der Küche, Herz was willst Du mehr! Nach 2 kleineren Ausflügen auf der Insel zu einem Wasserfall und einmal mit dem Motorrad quer über die Insel mache ich mich auf den Weg nach Ketambe und einen Jungle Treck zu den wilden Orang Utans zu machen. Da es für einen Tag zu weit zu fahren ist übernachte ich auf halben Weg irgendwo im nirgendwo. Am späten Nachmittag suche ich nach einem Schlafplatz und komme an einem baufälligen alten Gebäude vorbei. Das Zufahrtstor ist offen und eine der Türen zu den verschiedenen Zimmer ist offen. Scheint perfekt zu sein! Ich fahre zurück ins nächste Dorf und esse erst mal zu Abend. Danach mache ich mich wieder auf den Weg zurück zu meinem auserwählten Schlafplatz und breite mich in dem Zimmer aus. Als es schon dunkel ist kommen mehrere Männer aus dem Dorf mit ihren Mopeds und Taschenlampen und finden mich natürlich. Einer hat sogar ein Gewehr dabei und am Ende sind es bestimmt 20 Leute und es beginnt eine Diskussion wer ich bin, was ich hier mache und es sei gefährlich hier in Sumatra, es gäbe so viele Terroristen! Am Ende kommt auch noch die Polizei, macht Fotos von meinem Paß und dem Visa und natürlich auch von Mir mit den Polizisten zusammen und dem Motorrad. Es stellt sich heraus, dass ich mir die örtliche Schule des nächsten Dorfs als Schlafplatz ausgesucht habe und hier definitiv nicht bleiben kann. Morgen ist ja schließlich Schule! Einer der 20 Männer erbarmt sich schlussendlich und bietet mir an bei Ihn zu Hause zu übernachten. So macht sich dann der ganze Konvoi auf mich ins nächste Dorf ca. 1 Km zu begleiten. Nachdem wir dann noch bis kurz vor Mitternacht im Wohnzimmer gesessen und getratscht haben darf ich mit meinem Retter zusammen auf dem Dachboden übernachten. Als wir am nächsten morgen durchs Dorf laufen um einen Tee zu trinken, weiß natürlich das ganze Dorf Bescheid über den Fremden hier mit seinem Motorrad. Was mir schon in den paar Tagen aufgefallen ist, seit ich auf Sumatra unterwegs bin ist die unglaubliche Freundlichkeit der Leute hier, was sich bei meinem Stopp an einem kleinen Shop an der Straße bei dem ich nur ein paar Bananen kaufen wollte gleich wieder zeigen lässt. Aus dem Kauf von ein paar Bananen wurde eine Einladung zum Kaffee trinken mit anschließenden halbstündigen Plausch zu dem sich immer mehr Leute dazugesellt haben. Da gerade Ramadan ist und der Norden Sumatras, Aceh besonders Streng Islamisch ist habe natürlich nur ich einen Kaffee getrunken und die einheimischen Essen und Trinken den ganzen Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Trotzdem war es für Sie kein Problem mir einen Kaffee anzubieten.

In Ketambe habe ich mich dann im Friendship guesthouse einem Pärchen aus Ungarn angeschlossen und mit Ihnen zusammen, einem Guide und zwei Trägen bzw. Köchen einen 4 Tägigen Jungle Trek gemacht auf der Suche nach wilden Orang Utans. Die meisten Touristen gehen von Bukti Lawang aus in den Jungle, dort gibt es eine 100% Garantie Orang Utans zu sehen. Dort wurden nämlich zuvor gefangene und umgesiedelte Orng Utans wieder ausgewildert. Somit sind diese an Menschen gewöhnt, zudem werden sie teilweise von den Guides angefüttert, für mich ein bischen wie Zoo light! Deshalb habe ich mich für Ketambe entschlossen, hier ist alles viel kleiner und weniger Touristisch. Jeden Tag sind wir morgens und nachmittags mehrere Stunden auf kleinen Pfaden kreuz und quer durch den Urwald gewandert und haben dabei mächtig geschwitzt. Geschlafen haben wir in 2 verschiedenen Camps mit Provisorischen Zelten aus durchsichtiger Plastikplane und unsere Köche haben ums am offenen Feuer immer wieder was leckeres zubereitet. Wir haben sehr viele Long Tailed Macaque und Thomas Leaf Monkeys gesehen, jeden Menge kleine Insekten und Krabbeltiere, Eichhörnchen,..... und natürlich ein paar Orang Utans.

Vielleicht nicht ganz so nah wie das in Bukit Lawang möglich ist, dafür wild und in ihrer natürlichen Umgebung und Lebensweise.

Weiter gen Norden ging´s dann auf eine sehr schönen Kurvenreichen Strecke mit wenig Verkehr ganz in den Norden bis Banda Aceh. Banda Aceh wurde von dem verherenden Tsunami an Weihnachten 2004 mit am heftigsten getroffen. 120.000 Menschen Starben alleine hier und 80.000 gelten noch immer als vermisst. Heute ist davon allerdings nicht mehr zu sehen. Die Stadt wurde vollständig neu Aufgebaut auch mit sehr viel Unterstützung des Roten Kreuz aus mehreren Ländern. Mich zieht es weiter mit der Fähre auf die Insel Pulau Weh zum Schnorcheln. Es gibt hier nette kleine Unterkünfte mit Bungalows direkt am Strand oder gleich dahinter und auch wenn Pulau Weh in Aceh liegt ist es dank der Touristen hier nicht ganz so streng Muslimisch wie in Banda Aceh selbst. Da viele der Bungalows wo sich die meisten Backpacker aufhalten nicht über eine Straße erreichen lassen, sondern nur zu Fuß und ich dort somit nicht mit meinem Motorrad hinkomme um es dort zu parken quartiere ich mich in einem Zimmer ein das auch nuch einen Steinwurf vom Stand entfernt ist und einen schöne Dachterrasse hat. Durch den Ramadan ist gerade sehr wenig los hier und außer zum Tauchen oder Schnorchel am Korallenriff mit vielen bunten Fischen gibt’s hier eh nichts zu tun. Also schnorchle ich mehrere male an verschiedenen Riffs und fahre einmal quer um die Insel. Dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen von der schönen Insel Pulau Weh, zurück mit der Fähre auf dem Festland besichtige ich noch das Tsunami Museum in Banda Aceh bevor ich mich auf den langen Weg in den Süden mache. Da ich im Guesthouse am Lake Toba meine Wanderjacke vergessen hatte halte ich auf dem Weg nochmals hier an. War ja nicht so schlecht das letzte mal hier und ein kleiner Umweg kann ja nicht schaden.

3 Wochen sind schon wieder um, wo rennt die Zeit nur hin, Sumatra ist so schön, wild und herzlich, ich könnte gut und gerne noch 2...3 Monate nur hier auf Sumatra verweilen.

Jeder kennt Bali, ein paar kennen noch Lombok und Flores oder Komodo aber wer kennt Sumatra?

 

Terima Kasih Sumatra, ich komme bestimmt mal wieder....

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