Australien Part III

Perth – Nullabor Plane – Geelong kalte Nächte im Süden von WA

Nachdem ich die letzten Nächte vor Perth nachts bereits gefroren habe wie ein Schlosshund in meinem unbeheizten kleinen Zelt, ich hatte ja nur eine Yakwolldecke aus Nepal zum zudecken da ich mein Winterausrüstung incl. Warmem Daunenschlafsack ja von Malaysia schon im Januar letzten Jahr voraus nach Geelong zu Gaby gesendet hatte, war ich schon kurz davor mir einen billigen Sommerschlafsack zu kaufen. Aber Glücklicherweise fand ich im Chaotischen Space-Ship Hostel in Perth in einem Regal voll mit Utensilien von Backpackern die sie nicht mehr benötigen doch glatt einen Schlafsack. Als Tausch und um nicht unnötig viel „gruscht“ in meinen begrenzten Platz in den Packtaschen zu packen habe ich dafür meinen Campingstuhl dort gelassen.

Vor meiner weiterfahrt habe ich noch kurz das Ventilspiel eingestellt und mich dann auf den Weg Richtung Süden von Perth nach Margaret River aufgemacht. Es war Anfang Dezember, also eigentlich Sommer trotzdem waren die Nächte immer noch bitter kalt. Meistens habe ich auf Rastplätzen oder Gratis Camping Spots übernachtet. Diese Spots findet man in Australien ganz einfach mit Hilfe der sehr guten App: WickiCamps AU!

Sogar die einheimischen „Grey Nomads“, so nennt man hier die Rentner die mit den Jahreszeiten dem guten Wetter folgend in Ihren Wohnmobilen leben nutzen diese App und man trifft und sieht sie dann auf diesen Gratis Camping Plätzen. Am Margaret River entlang gibt’s sehr viele luxuriöse Weingüter und es ist eine beliebte Ausflugsregion für die Leute aus Perth. Vom Südwestlichsten Zipfel aus, dem Cape Leeuwin ging es dann durch riesige Wälder mit gigantischen Bäumen auf die man auf eine Plattform in 60 Meter Höhe auf Eisennägeln hoch klettern konnte weiter über Albany bis Esperance. In Albany habe ich in der Bücherei einen interessanten älteren Mann kenne gelernt, dessen Familie ursprünglich aus Holland stammt. Nach einem langen Gespräch haben wir uns dann später in einer Kirche zum Abendessen wieder getroffen. Die Kirchengemeinde veranstaltet ca. alle 2 Wochen im Gemeindezentrum ein Abendessen auf Spendenbasis, ähnlich der Vesper-Kirche in Ulm! Man trifft sich dort zu einem leckeren 3 Gänge Abendessen, man unterhält sich ein bisschen und Spendet dann etwas für das Essen. Noch ein kleiner Abstechen zwischendrin zum Stirling Range NP mit Wanderung zum Bluff Knoll und dann weiter bis Esperance. Hier ist erst mal wieder Wäsche waschen angesagt, so was banales muss zwischendurch leider auch mal sein. Habe lange überlegt welche Route ich Richtung Osten weiter fahren soll, entweder über den Nulabor Plane 1600 km bis nach Port Augusta oder alternativ die 1200 km lange Schotterpiste des „Great Central Road“ die mich direkt zum Uluru geführt hätte. Die „Great Central Road“ hätte mich schon sehr gereizt, aber für die 1200 km Schotterpiste hätte ich zuerst neue Stollenreifen aufziehen müssen und Ende Dezember ist es im Outbck am Ulura bereits unerträglich heiß mit Temperaturen um +40 Grad und mehr! Eigentlich fährt niemand zu dieser heißen Zeit ins Outback wenn er nicht unbedingt muss. Also ging´s von Norseman bis Port Augustus 1600 km über den Nulabor Plane. Manche Leute brettern die Strecke einfach nur durch und versuchen so viele km wie möglich zu machen, ich habe mir Zeit gelassen und bin nur ca. 350 km am Tag gefahren. Es gibt nicht wirklich viel Spannendes zu sehen entlang der ersten 1000 km aber trotzdem ist es nicht langweilig oder Öde!

Jeder Stopp an einem der wenigen Roadhouses entlang der Strecke wird zum Highlight des Tages und man trifft dort auch einige verrückte Radfahrer! Habe auf dem Nalabor sogar gleich 3 Radfahrer getroffen, pretty taff riding, je nachdem ob man von West nach Ost oder umgekehrt fährt hat man mal Rückenwind oder heftigen Gegenwind und Wasser auffüllen ist für mich und die Radfahrer am Nulabor Plane nicht immer einfach. Selbst die Roadhouses müssen ihr eigenes Trinkwasser aus tiefen Bohrlöchern hoch pumpen, Filtern und entsalzen. Von Norseman bis zum Nulabor Roadhouse, ca. 900 km wächst entlang des „Eyre Highway“ noch üppige Vegetation mit Büschen, Sträuchern und Bäumen, ab dem Nulabor Roadhouse bis Ceduna, die erste kleinere Stadt, dann schon in Süd-Australien wächst dann rein garnix mehr! Nur noch flache, heiße staubige Steppe. Man überquert auf dieser Strecke die Grenze von West Australien nach Süd Australien mit üblicher Quarantäne Inspektion, man darf weder frisches Fleisch, Fisch, noch frisches Obst, Gemüse, Käse oder Milchprodukte von WA nach SA oder von SA nach WA einführen. Da heißt es gut planen beim einkaufen und vorher alles aufessen. Außerdem überschreitet man 2 mal die Zeitzone. Einmal gibt’s ne ½ Stunde vor und das zweite mal 2 Stunden vor. Ziemlicher Zeitsprung, was man daran merkt dass die Tage sofort wieder länger werden und es jetzt in SA bis 21:30 hell ist. Mit einem Schlenker Richtung Süden weg vom Highway ging´s weiter bis Port Augusta. 2 Tage zuvor hat leider meine gute Therm-A-Rest NeoAir Luftmatratze angefangen zu „delaminieren“ und eine dicke Luftblase zu schieben. Zum Glück gibt’s hier in Australien ein Service und Reparatur Office von Cascade Design welches die Garantieabwicklung hier übernimmt. Nach ein paar E-Mails und einem Telefonat bekam ich eine neue Matte nach Quorn ins Tourist Information Center gesendet, welches auf meinem Weg in den Flinders Range NP liegt. Top Service, dank „lebenslanger Garantie von Therm-A-Rest!

Im Flinders Range NP blieb ich dann 3 Tage und habe 2 kleinere Wanderungen gemacht, trotz Temperaturen von 38 … 40 Grad. Peterborough, eine schöne alte Historische Kleinstadt an der sich früher 3 Bahnlinien kreuzten hat ein tolles altes Capitol Theater umfunktioniert zu einem Café mit Museumscharakter und ein kleines aber feines privates Motorrad Museum. Über das Barossa Valley, der Weinregion nahe Adelaide fuhr ich ein Stück an Australiens längstem Fluß, dem Murray River entlang bis nach Murray Bidge. Hier habe ich zusammen mit Michael, einem Schweizer den ich ein paar Tage zuvor getroffen hatte dann Weihnachten im B&B A la Foly verbracht. Hahndorf ein altes deutsches Dorf wo es Leberwurst, Sauerkraut und Apfelstrudel gibt, war mir dann doch zu Touristisch und voll dass ich mich auf den Weg in den Arapiles NP und die Grampions auf gemacht habe. Der Arapiles NP ist ein Weltweit bekanntes Kletterparadies mit 3000 Routen in allen Schwierigkeitsgraden und jede Menge Mehr-Seil-Touren. Hier habe ich dann unter den ganzen Kletteren auf dem Campground Silvester verschlafen. Hab mir um 23:00 Uhr eine schöne Flasche Rotwein aufgemacht und ein Glas voll getrunken. Dann hatte ich mich nochmals kurz in mein Zelt gelegt und bin natürlich sofort eingeschlafen. Um 0:35 bin ich dann nochmals wach geworden, aus meinem Zelt gekrabbelt und hab mir nochmals eine Tasse Wein rein geschüttet. Da hier im NP absolutes Feuerverbot wegen Buschbrand Gefahr ist gab´s natürlich auch kein Feuerwerk und die meisten Kletterer stehen früh auf um in der noch kühleren Tageszeit schon eine Route in den Felsen zu klettern, so gab´s keine Party auf dem Campground. Auf kurvenreicher Strecke durch die Grampions weiter über die Great Ocean Road an der Küste Entlang bis nach Geelong zu Gaby und Ihrer Familie. Die Great Ocean Road ist Toll, nur eben Nicht Anfang Januar in der Ferienzeit und absoluten High Season hier. Volle Straßen, volle Campingplätze, lange Schlangen an den Foto-Spots entlang der Strecke, … to much für mich, schnell weg hier.

Weiter geht’s wieder ins Hinterland auf kleinen Straßen mit neuen Reifen.

Bis die Tage, have a good day mates

 

Lollo

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Kommentare: 2
  • #1

    Petra (Dienstag, 21 Mai 2019 04:37)

    Schöner Reisebericht, echt interessant!

  • #2

    Romano (Freitag, 31 Mai 2019 13:53)

    Moin Lollo,
    Ich mag deine schreibe, sehr erfrischend.
    Mach weiter so und wir sehen uns hoffendlich nochmal.