Südamerika

Ankunft in Chile, warten auf´s Motorrad und Start Richtung Norden


 

nach 2 x Umsteigen und 5 Std. Wartezeit überbrücken in Sao Paulo überfliege ich auf den

letzten Metern nach Santiago die Anden! Der Blick aus dem Flieger auf dieses riesige Gebirge

ist einfach überwältigend, auch wenn es diesen Winter sehr wenig geschneit hat und deshalb wenig Schnee auf den Gipfeln liegt. Zoll und Passkontrolle sind schnell erledigt nur durch die anhaltenden Proteste gegen die Regierung und den Präsidenten mit täglichen Plünderungen und Feuern in

U-Bahn Stationen giebt es seit ein paar Tagen abends ab 18:00 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre.

Eigentlich wollte ich mit einem Mini-Van als Sammeltaxi nach Valparaiso zur Villa Kunterbunt fahren. Doch leider fahren diese wohl seit Tagen wegen der angespannten Situation nicht mehr und jetzt am Nachmittag als ich hier ankam fährt auch kein Bus mehr! Ich versuche alles, muss aber leider einsehen dass es im Moment nur eine Möglichkeit gibt zu meinem Ziel zu kommen, näcmlich mit dem Taxi. Nach verhandel einigen wir uns auf 60.000 CLP was ca. 75,- € entspricht. Autsch!

Fängt ja schon gut an hier. Auf dem Weg vom Flughafen nach Valparaiso müssen wir mehrmals wegen Straßensperren durch das Militär unseren Weg ändern. Schlussendlich erreiche ich aber mein Ziel, die Villa Kunterbunt und Martina und Enzo sind froh dass ich heil da bin und reichen mir zur Begrüßung erst mal ein kaltes Bier. Da mein Schiff die „Cautin“ mind. 1 Woche Verspätung hat und ich gerade der einzige Motorrad Reisende hier bin hab ich die im Moment etwas chaotische Villa Kunterbunt für mich alleine. Die Villa Kunterbunt gibt es schon mehr als 20 Jahre hier auf dem Hügel in „Playa Ancha“ von Valparaiso. Hier auf dem Hügel ist es ruhig aber unten in der Stadt im Zentrum von Valparaiso gibt’s jeden Tag Demonstrationen. Das merkt man spätesten dann, wenn man am anderen Tag durch das Zentrum läuft und die Augen plötzlich zu beißen und zu brennen anfangen und die Nase juckt und läuft. Dann wurde vom Militär oder der Polizei wieder Tränengas eingesetzt. Mittlerweile sind viel Geschäfte verbarrikadiert, Banken geschlossen und Supermärkte nur durch einen Seiteneingang der vom Militär bewacht wird zu betreten. Kurz bevor mein Motorrad ankommt bekomme ich dann doch noch Besuch in der Villa Kunterbunt, Piet aus Düsseldorf, den ich vom HU Germany Treffen her kenne kommt für ein paar Tage vorbei nachdem er sein Motorrad gerade von Hafen in San Antonio abgeholt hat. Und einen Tag später kommt Christian aus Ravensburg dazu. Da sich die Situation auch nach mehr als einer Woche hier nicht wirklich beruhigt hat und es immer wieder Demonstrationen und Streiks gibt bin ich schon gespannt wie ich mein Motorrad da aus dem Zoll und dem Lager bekommen werde. Die Drähte glühen heiß, Martina hat mit dem Lager und dem Zoll telefoniert und gleich für Montag morgens einen Termin gemacht. Als wir, Enzo und Ich ankommen ist der Container bereits offen und wird gerade ausgeladen. Doch der zuständige Zollbeamte will den Papierkram nicht machen und schickt uns zum Hauptzollamt in die Stadt. Es ist bereits 12:00 Uhr mittags, das Lager ist gut 20 km außerhalb und gerade für heute ist ab 13:00 Uhr ein Streik geplant! Als wir am Hauptzoll ankommen erklärt uns der Beamte, dass wir dem Papierkram oben direkt im Lager beim Zoll machen müssen. Totales Chaos! Also ruft Enzo den Zöllner wieder im Lager an und klärt mit ihm ab, dass sie dort auf jeden Fall noch auf uns warten bis Sie dann zum Streik gehen. Als wir um 13:20 Uhr endlich wieder beim Lager gehen geht’s plötzlich ganz schnell. Die Daten werden kurz in den Computer eingetragen, Papiere gestempelt und Tschüß! Jetzt endlich bekomme ich meine „Crate“ mit dem noch verpackten Motorad vom Lager ausgeleifert. Enzo kümmert sich um die Dokumente und das bezahlen des Lagers und ich packe derweil mein Motorrad auch und wieder zusammen. Batterien anklemmen, Sprit auffüllen, Spiegel und Lenker wieder montieren, …. nach 20 versuchen zu Starten springt sie dann endlich an und erweckt wieder zu Leben!

Happy und um weitere 250,- € ärmer geht’s per Motorrad zurück zur Villa Kunterbunt.

Am nächsten Tag brechen Piet und Chris zusammen auf Richtung Süden, ich bleibe noch 2 weitere Tage hier, Kettensatz wechseln, Ventilspiel einstellen, Gepäck organisieren und Wäsche waschen.

Endlich bin ich und das Bike auch so weit für das neue Abenteuer in Südamerika. Zuerst fahre ich ein Stück Küstenstraße entlang und dann über einsame Bergpisten weiter immer Richtung Norden. Ich möchte noch ein oder zwei der ganz hohen Andenpässe fahren bevor ich mich auch auf den Weg Richtung Süden aufmache. Es fühlt sich richtig gut an wieder „on the road“ zu sein, abends sein Zelt irgendwo im nirgendwo aufzuschlagen, etwas leckeres zu Kochen und vielleicht sogar noch ein Lagerfeuer zu machen. Freiheit Pur!

Nach jetzt etwas mehr als 1000 km hier läuft´s schon wieder rund und fühlt sich gut an.

Auch wenn die politische Lage hier und auch in Bolivien gerade nicht optimal ist lasse ich mir den Reisespaß davon nicht nehmen. Manches hier kommt mir zwar noch Spanisch vor aber es wird schon.

Saludos desde Chile,

 

Lollo